Plötzlicher Herztod in der Familie — wer sollte sich abklären lassen?
Nahe Angehörige einer Person, die einen plötzlichen, ungeklärten Herztod erlitten hat — insbesondere vor dem 50. Lebensjahr —, sollten eine kardiologische Abklärung in Betracht ziehen. Viele der zugrundeliegenden Herzerkrankungen sind erblich und lassen sich durch EKG, Echokardiographie und eine erweiterte Familienanamnese erkennen, bevor Beschwerden auftreten.
Warum ist die Familienanamnese so wichtig?
Ein plötzlicher Herztod bei einer jungen oder augenscheinlich gesunden Person hat häufig eine genetische Ursache — etwa eine Kardiomyopathie oder eine Ionenkanalerkrankung des Herzens. Diese Erkrankungen betreffen oft mehrere Familienmitglieder, auch wenn diese selbst beschwerdefrei sind.
Wie läuft eine Abklärung ab?
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit einer erweiterten Familienanamnese; dabei zeichnen wir gemeinsam einen Stammbaum. Danach folgen ein EKG und eine Echokardiographie, bei Bedarf weitere Untersuchungen.
Brauche ich immer eine genetische Untersuchung?
Nicht immer. Auf Grundlage von Anamnese und den ersten Untersuchungen bespreche ich mit Ihnen, ob eine genetische Untersuchung sinnvoll ist, was sie zeigen kann und was nicht — und welche weiteren Angehörigen ebenfalls untersucht werden sollten. Die Indikationsstellung und Beratung erfolgen in der Praxis, die genetische Analyse selbst führt ein spezialisiertes Institut durch.
Was, wenn meine Untersuchung unauffällig ist?
Ein unauffälliger Befund ist eine gute Nachricht, schliesst aber nicht in jedem Fall abschliessend aus, dass eine familiäre Erkrankung vorliegt — manche Herzerkrankungen zeigen sich erst mit der Zeit. Je nach Situation kann eine spätere Verlaufskontrolle sinnvoll sein; das bespreche ich individuell mit Ihnen.
Was gilt für weiter entfernte Verwandte?
Auch das hängt vom Einzelfall ab — vom Vererbungsmuster der vermuteten Erkrankung und davon, wie viele Familienmitglieder bereits betroffen oder untersucht sind. Das lässt sich am besten im persönlichen Gespräch einordnen.
Welche Erkrankungen stecken häufig dahinter?
Zu den häufigeren erblichen Ursachen zählen Kardiomyopathien — krankhafte Veränderungen des Herzmuskels — sowie Ionenkanalerkrankungen, die die elektrische Aktivität des Herzens betreffen, ohne dass sich das Herz strukturell auffällig verändert. Beide Gruppen lassen sich mit EKG und Echokardiographie ganz oder teilweise erfassen, eine genetische Untersuchung kann die Diagnose in manchen Fällen zusätzlich sichern.
Ab welchem Alter ist eine Abklärung sinnvoll?
Es gibt keine feste untere Altersgrenze — massgeblich ist, ob eine familiäre Vorbelastung vorliegt. Bei Kindern und Jugendlichen aus betroffenen Familien wird die Abklärung meist gemeinsam mit der Kinderkardiologie geplant; für Erwachsene übernehme ich die Abklärung in der Praxis.
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Dagmar Keller Lang, November 2026.